Über die Sinnhaftigkeit nachhaltigen Konsums

Von Susanna


Lange Zeit wollte ich mich nicht so richtig mit dem Thema Nachhaltigkeit und "Was kann ich tun?" beschäftigen. Als Studentin, die von der Hand in den Mund gelebt hat, habe ich mir gesagt, dass ich mir eine nachhaltige Lebensweise nicht leisten kann.  Außerdem war ich der Meinung, dass es doch nichts bringt, die Verantwortung auf den Verbraucher abzuwälzen und dass nur einschneidende umweltpolitische Entscheidungen einen Einfluss haben. Damit war das Thema für mich gegessen.

Inzwischen hat sich meine Meinung geändert. Im Nachhinein glaube ich, dass meine Haltung auch von einer gesunden Portion Bequemlichkeit beeinflusst wurde.

 

Dennoch wundere ich mich immer wieder, bei vielen Menschen auf so heftigen Widerstand zu stoßen, sobald es um Nachhaltigkeit geht. Klammern wir mal diejenigen aus, die den Klimawandel tatsächlich leugnen – auch wenn das erschreckend viele sind. Ich rede von jenen durchaus vernunftbegabten Menschen, die bei dem Thema reflexartig abwinken. Jegliches Engagement in diesem Bereich wird belächelt und mit einer gewissen Arroganz abgetan. Oft erscheint mir das wie eine Mischung aus besagter Bequemlichkeit und einer ordentlichen Portion Zynismus. Dabei ist dieses Verhalten – das Problem zu sehen, aber keinen individuellen Handlungsbedarf zu erkennen – genauso schlimm, wie das Problem zu leugnen.

 

 Zwar ist es richtig, dass es kaum ausreicht, wenn einzelne Menschen sich bemühen, nachhaltig zu leben und die Hauptverantwortung bei der Politik verorten. Aber was ist das für ein Argument? Sollten wir angesichts der drastischen Situation nicht alle uns zur Verfügung stehenden Kräfte mobilisieren, und das an möglichst vielen Stellen? Die Einstellung, dass "die da oben" es richten müssen, während man sich selbst zurücklehnt, halte ich für sehr kurzsichtig und gerade zu anti-demokratisch!

enn Menschen ihr Konsumverhalten überdenken und ihre Erfahrungen mit anderen teilen, kann das einen ansteckenden Effekt haben, zu einer größeren Bewegung werden und somit letztlich politische Entscheidungsträger beeinflussen – Fridays for Future hat das eindrucksvoll bewiesen. Zudem sollten wir unsere Macht als Verbraucher nutzen um auch auf die Wirtschaft einzuwirken; im Idealfall, ohne uns dabei blenden zu lassen von Unternehmen, die Greenwashing betreiben, sondern in dem wir uns fundiert informieren, unser Wissen teilen und unsere Konsumentscheidungen entsprechend treffen.

 

Es geht gar nicht darum, jeden Einzelnen zu überzeugen. Die wenigsten Menschen verändern ihr Verhalten aus Prinzip. Aber wenn ausreichend viele Menschen erst einmal "angesteckt" sind, zieht der Rest mit – weil es dann eben nicht mehr cool ist, SUV zu fahren, und der Mensch ein Herdentier ist, dass sich vor Ausgrenzung fürchtet.

 

Existiert die Demokratie heute, weil sich die Mächtigen irgendwann gedacht haben: "Moment Mal! Dieses System ist ja total ungerecht. Wir sollten weniger Macht haben und dem Volk mehr davon geben"? Demokratie und der Wunsch nach mehr Freiheit und Mitbestimmung kam vom Volk, von den Menschen, die sich gegen Ihre Unterdrückung aufgelehnt haben. Demokratie heißt eben nicht nur wählen gehen, sondern auch selbst Verantwortung übernehmen und aktiv mitwirken.

 

Unser Konsumverhalten ist dabei durchaus von politischer Relevanz: Wenn wir eine Konsumentscheidung treffen, geben wir unsere Stimme ab. Der Kauf von Billigfleisch ist gleichbedeutend mit einem „ja“ zur Massentierhaltung, „ja“ zur sozialen Ungerechtigkeit, „ja“ zur Zerstörung der Umwelt. Wir können unsere Augen davor nicht länger verschließen, die Verantwortung nicht abgeben.  Die Notwendigkeit zu handeln leitet sich für mich schon aus dem bloßen Wissen um diese Zustände ab.

 

Euer Kolibri Susanna