Geflüchtete als Bildungsbotschafter


„Geflüchtete als Vermittler*innen von Erfahrung und Wissen“

 

Hintergrund

 

Die laut UNHCR 60 Millionen Menschen, die ihre Herkunftsländer in den vergangenen Jahren aufgrund von Kriegen, Konflikten und politischer Verfolgung verlassen haben, verlieren auf der Flucht mehr als „nur“ ihre Heimat. Flucht bedeutet auch die abrupte Trennung von Familien, den Verlust sämtlicher Besitztümer, die sofortige, womöglich irreversible Aufgabe von aufgebauten Existenzen.

Am Ende ihrer langen, oft lebensgefährlichen Routen angekommen, blicken Geflüchtete in eine ungewisse Zukunft. Damit der Neuanfang in der Fremde gelingen kann, bedarf es auf Seiten der Aufnahmeländer einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung: Zusätzlich zu staatlichen Integrationsmaßnahmen braucht es Impulse aus der Zivilgesellschaft in Form von weiterführenden Angeboten und innovativer Konzepte.

Entgegen der in der öffentlichen Wahrnehmung weitverbreiteten Reduktion von Geflüchteten auf ihren Status als Schutz- und Hilfsbedürftige, ist das Netzwerk politik|atelier der Überzeugung, dass diese Menschen keinesfalls mittellos zu uns kommen. Viel mehr bringen sie unschätzbare immaterielle Reichtümer und vielfältige Potentiale mit sich, die es zu aktivieren und zu fördern gilt.   

 

Das Projekt

 

Zu diesem Zweck hat der Verein 2015 gemeinsam mit dem Eine Welt Netz NRW und Engagement Global das Projekt „Bildungs- und Kulturbotschafter“ ins Leben gerufen. Dank der wiederholten Förderung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW konnten in Bonn seitdem über 30 Geflüchtete aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Eritrea und Togo zu Referent*innen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit ausgebildet werden. Als Bildungs- und Kulturbotschafter*innen vermitteln sie in interaktiven Vorträgen und Dialogveranstaltungen auf Honorarbasis nun regelmäßig Wissen und Erfahrungen zu entwicklungspolitischen Themen aus erster Hand.

Nach den durchweg positiven Ergebnissen der Vergangenheit startet das Projekt im Februar 2018 zur großen Freude aller Beteiligten in eine neue Phase. In den kommenden zwölf Monaten exportieren wir das Konzept in folgende vier Standorte in Nordrhein-Westfalen

  1. Bonn, 15. und 16. März 2018, Volkshochschule Bonn
  2. Köln, 17. und 18. Mai 2018, Allerweltshaus Köln   
  3. Münster, 16. und 17. August 2018
  4. Düsseldorf, 08. und 09. November 2018

Alle weiteren Termine sowie Veranstaltungsorte werden in Kürze bekannt gegeben.

 

Projektziele

 

Die Ausbildung der Teilnehmenden zu Bildungs- und  –Kulturbotschafter*innen leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Förderung des interkulturellen Dialogs zwischen deutscher Zivilgesellschaft und Geflüchteten. Die von den Teilnehmenden durchgeführten Veranstaltungen fungieren als öffentliche Plattform für Kommunikation und Wissenstransfer. Der Erfahrungsaustausch führt zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis und hilft beiden Seiten, globale politische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge nachzuvollziehen.

 

Das Projekt befähigt die Teilnehmenden, öffentlichen Diskurse durch die Vermittlung ihrer individuellen Erfahrungen und ihres Wissens über ihre Herkunftsländer aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig eröffnen die Referent*innen und Referenten ihren Dialogpartnern, eine differenzierte Perspektive auf deren eigenen soziokulturellen Alttag. Durch den Transport entwicklungspolitischer Inhalte wollen die Bildungs- und Kulturbotschafter*innen einen anhaltenden Lernprozess anstoßen, der langfristig zu mehr globaler Gerechtigkeit führt.  

 

Teilnahme

 

Das Projekt „Geflüchtete als Vermittler*innen von Erfahrung und Wissen“ richtet sich explizit Menschen mit Fluchterfahrung, die seit ihrer Ankunft in Deutschland die erste Orientierungsphase bereits überwunden haben und nun auf der Suche nach Weiterbildungsmöglichkeiten sind.

 

Wir suchen ab sofort Teilnehmende, die

  • über gute Deutschkenntnisse verfügen (Sprachniveau B2 oder höher),
  • eine Aufenthaltsgenehmigung bzw. Bleibeperspektive und Arbeitserlaubnis besitzen und
  • Interesse an bildungs- und entwicklungspolitischen Themen mitbringen.

Pädagogische Vorkenntnisse sind erwünscht, aber keine Voraussetzung. Interessenten melden sich bitte per E-Mail bei julian.karsunky(at)politikatelier.de. 

 

 

Ablauf

 

Die Ausbildung erfolgt in insgesamt drei Etappen. In einem zweitägigen Qualifizierungsseminar erlernen die Teilnehmenden zunächst erste Grundlagen und Methoden der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit. Anschließend besteht die Möglichkeit, diese Inhalte in einem Aufbauseminar weiter zu vertiefen und eigene Konzepte zu entwickeln. Die weitere Zusammenarbeit erfolgt nach Besuch der Seminare in Form von individueller Nachbetreuung und Gruppentreffen durch drei Coaches für einen Zeitraum von drei Monaten. In Tandemveranstaltungen können die angehenden Bildungs- und Kulturbotschafter*innen dann an der Seite von erfahrenen Bildungsreferent*innen erste praktische Erfahrungen sammeln.

 

Dank der Kooperation mit der Engagement Global gGmbH haben alle Teilnehmenden die Chance, sich im Verlauf des Projekts in das bestehende Bildungsprogramm „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE) aufnehmen zu lassen.

 

 

Gefördert wird das Projekt von der Stiftung für Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

Die Durchführung wurde uns auch durch eine großzügige Spende des Inner Wheel Clubs Bonn ermöglicht, herzlichen Dank!

Ansprechpartner: Julian Karsunky

 

 

Presse

Artikel in "Resultate" (Ausgabe 3/17) der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW

Artikel des Bonner General Anzeigers vom 23.11.2015.

Nidal Rashow beim Pilotprojekt „Flüchtlinge als VermittlerInnen von Erfahrung und Wissen“ des Netzwerks politik|atelier in Bonn in November 2015

Ali Mohamed beim Pilotprojekt „Flüchtlinge als VermittlerInnen von Erfahrung und Wissen“ des Netzwerks politik|atelier in Bonn in November 2015.


Impressionen zum Projekt