Was soll das Theater?


Die „Operation Kolibri“ ruht auf drei Säulen: entwicklungspolitisches Engagement, Kommunikation und Kreativität. Keines dieser Elemente existiert dabei losgelöst von den anderen, noch stehen sie in hierarchischer Beziehung. Im Gegenteil war ich von Anfang an sehr darauf bedacht, diese Aspekte inhaltlich und methodisch gezielt zu einem großen Ganzen zusammenzuführen, welches wiederum mehr ist als die Summe seiner Teile.

 

Das Kommunikationsstrategien – wir orientieren uns eng an dem vom Marshall Rosenberg entwickelten Modell der gewaltfreien Kommunikation – in der Arbeit mit Gruppen große Bedeutung zukommt, ist leicht nachzuvollziehen. Warum am Ende unseres Projektes ein Theaterstück steht, bedarf hingegen einer Erklärung.

 

Tatsächlich war für mich lange vor Beginn der eigentlichen Konzeptionsphase bereits klar, dass die Bühne die geeignete künstlerische Ausdrucksform für die „Operation Kolibri“ darstellt. Aufgrund der guten Zusammenarbeit in der Vergangenheit ist es uns schnell gelungen, dass renommierte Bonner Pantheon Theater als Partner und Spielstätte zu gewinnen. Nachdem Christina Schelhas das Projektteam dann um die nötige theaterpädagogische Expertise ergänze, stand der Realisierung dieses Vorhabens vorerst nichts mehr im Wege.

Doch zurück zu der eigentlichen Frage: Warum Theater? Für mich steht fernab von spielerischer oder szenischer Darbietung die authentische Erfahrung unserer Projektteilnehmenden, der Kolibris, im Vordergrund. Das Dokumentartheater spiegelt als Genre genau diese Vorstellungen: Hier vermitteln Experten als Laienschauspieler*innen auf originelle Weise alltägliche Erfahrungen und Fachwissen. Genau das tun unsere Kolibris nach sechsmonatigem Selbstversuch ebenfalls!

 

Die Einzigartigkeit eines jeden Kolibris verdient die größtmögliche Aufmerksamkeit, zudem ist es eines unserer zentralen Anliegen, Öffentlichkeit zu generieren und aufzuklären, zu sensibilisieren und Impulse für das eigene Handeln zu geben! Trotz großer methodischer Vielfältigkeit setzt die entwicklungspolitische Bildungsarbeit in der Vermittlung noch immer stark auf klassische Formate wie Vorträge und Diskussionsrunden. Ich jedoch wollte dieses Korsett sprengen und habe mich stattdessen für eine künstlerisch-kreative Variante entschieden.

 

Auch wenn sich das Netzwerk politik|atelier mit der „Operation Kolibri“ einem entwicklungspolitischen Bildungsauftrag verschrieben hat, ist Authentizität in der Vermittlung unser höchstes Gut. Wir wollen weder moralisieren, noch vorgefertigte (und frei zugängliche) Fakten rezitieren. Die persönliche Dimension ist für das Handeln des Kolibris entscheidend. Motivation, Vereinbarkeit mit dem beruflichen und familiären Alltag, Auswirkungen auf das Befinden und Reaktionen aus dem Umfeld: Wie praktikabel ist das Engagement für nachhaltige Entwicklung tatsächlich? Auf die Bühne bringen wir keine vorgefertigten Meinungen, sondern ehrliche und individuelle Antworten! Aus diesem Grund ist das Projekt prozessorientiert und ergebnisoffen angelegt. Das Dokumentartheater bietet uns als Ausdrucksform genau jene kreative Freiheit in der Inszenierung, um sich von konventionelleren Erfahrungsberichten abzuheben.

 

Euer Geneviève