Das Ausbreiten der Flügel: Von der Idee zum Antrag


Am Anfang jedes erfolgreichen Projekts steht eine Idee. Als ehrenamtlicher Verein ist das Netzwerk politik|atelier e.V. dabei angewiesen auf die Visionen und den Gestaltungswillen unserer Mitglieder. Deshalb schätzen wir uns glücklich, in unseren Reihen Menschen wie Geneviève Richarz zu haben. Geneviève ist Künstlerin und eine großartige Visionärin. Sie hat den Atelier-Gedanken unseres Vereins, verstanden als gewinnbringende und originäre Verbindung politischen Engagements und kreativer Methodik, verinnerlicht wie kaum jemand sonst. An Ideen mangelt es Geneviève bestimmt nicht.

 

Am 28. September 2018 hat mich Geneviève das erste Mal in ihre Pläne zur Operation Kolibri eingeweiht. An diesem Tag sind wir zusammen mit den Protagonist*innen des Culture Slam V im Rahmen der Aktion „Rettet das Recht auf Asyl“ auf dem Bonner Münsterplatz aufgetreten. Bei dem anschließenden Umtrunk im Café Blau, während der Großteil des Teams den Ausklang des erfolgreichen Culture Slams zelebrierte, sagte Geneviève plötzlich: „Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen.“ Was sie dann in wenigen Worten wiedergab, ist die uns allen inzwischen bestens bekannte Parabel des kleinen Kolibris, der sich couragiert dem Waldbrand entgegenstellt.

 

Wenige Wochen später auf unserer jährlichen Mitgliederversammlung überraschte Geneviève uns dann bereits mit einem erstaunlich ausgereiften Grundkonzept. Der Kolibri-Gedanke hatte sie nicht mehr losgelassen und sollte sich in den kommenden Wochen und Monaten Stück für Stück manifestieren. Auch wir waren von der Idee sofort angetan und bereit, Geneviève bei der Umsetzung ihrer Vision unterstützen. In ersten, intensiveren Gesprächen wurde schnell klar, dass die Operation Kolibri unsere doch bescheidenen zeitlichen und finanziellen Kapazitäten übersteigen würde und wir für die Realisierung folglich eine Förderung benötigen würden.

 

Im Unterschied zu der kreativen Ideenfindung ist die Akquise von Fördermitteln leider ein durch und durch unsentimentaler Prozess: Denn nun galt es, die magische Erzählung des Kolibris in einen präzise ausformuliertes Projektkonzept zu übersetzen, messbare Indikatoren und Ergebnisse festzulegen und aus bunten freischwebenden Gedanken kalte und starre Zahlen zu machen. Aufgrund unserer positiven Erfahrungen in der Vergangenheit sowie generell begrenzten Möglichkeiten fiel unsere Wahl bezüglich einer Institution schnell auf die in Bonn ansässige Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW (SUE). Als Verein waren wir mit den Antragsverfahren und Abrechnungswesen der Stiftung bestens vertraut.

 

Damit die Operation Kolibri aber überhaupt den Förderrichtlinien der SUE genügt, mussten wir zunächst an einigen grundsätzlichen Stellschrauben drehen. Gemäß dem Selbstverständnis unseres Vereins entstand schnell die Idee, den Kolibri-Gedanken mit den globalen Nachhaltigkeitszielen als entwicklungspolitisches Fundament zu verankern. Mit Unterstützung der SUE gelang es uns so, relativ zügig ein förderungsfähiges Konzept zu entwickeln, dass im Kern dennoch nicht von Genevièves ursprünglicher Idee abweicht.

 

Mit dem Pantheon Theater Bonn hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits einen starken Partner gewonnen und mit dem 3. Mai 2020 sogar schon einen Termin für die geplante Aufführung vereinbart. Allerdings brachte uns dies langsam aber sicher auch unter einen gewissen Zeitdruck: Die Antragsstellung ist langwierig und arbeitsintensiv, die Bearbeitung und Entscheidung seitens der Stiftung wiederum verbunden mit zusätzlichen Fristen.

 

Ende letzten Jahres war ich noch mit der Leitung des „Bildungsbotschafter“-Projekts beschäftigt und so verpassten wir die von uns ursprünglich angepeilte Deadline zum Ende letzten Jahres. Tatsächlich sollte es noch bis Anfang April 2019 dauern, bis wir einen fertigen Projektantrag einreichen würden. Dem vorausgegangen waren noch einmal intensive Beratungen und anhaltende Kalkulationen. Da es keine Erfolgsgarantie für eine Bewilligung gibt, ist die Arbeit an einem solchen Projektantrag stets mit dem Risiko behaftet, am Ende mit leeren Händen dazustehen. Entsprechend bang warteten wir auf die Entscheidung der Stiftung.         

 

Umso größer war unsere Freude, als wir dann Anfang Juli von dem positiven Bescheid erfuhren! Endlich konnten wir nun Pläne konkretisieren, die zuvor lediglich den Charakter unverbindlicher Absprachen besaßen. Viel Zeit blieb uns bis zum offiziellen Projektbeginn zum 1. August zwar nicht, doch mit der Förderzusage bekamen wir auch in dieser Hinsicht noch einmal einen kräftigen Motivationsschub.

 

Nun, fast ein ganzes Jahr nach der Konzeption der ursprünglichen Idee, steht das Projekt in den Startlöchern und wir alle können es kaum erwarten, endlich loszulegen. Rückblickend erfüllt es mich gleichermaßen mit Ungläubigkeit und Freude, dass es uns gelungen ist, Genevièves Vision so fokussiert zu verwirklichen. Vielleicht tun aber auch wir nur unseren Teil…

 

Euer Kolibri Julian